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Juli

Loveparade – Lebensretter gesucht

Sie wollte tanzen, feiern, Spaß haben. Debora Schumacher (24) hatte sich auf die Loveparade gefreut. Stattdessen: straucheln, stolpern, fallen, Todesangst. Jetzt sucht Debora per Internet den jungen Mann, der ihr das Leben gerettet hat.

Seit Samstag macht Debora Schumacher vor 3 Uhr kein Auge mehr zu. Sie will nicht schlafen, denn dann sind da immer diese Bilder. Bilder von schreienden Menschen, von Turnschuhen über ihrem Kopf, von Armen, die hilflos ins Leere greifen. Debora Schumacher stand am vergangenen Samstag bei der Loveparade in Duisburg fünf Meter von der Treppe entfernt. Jener Treppe, die Symbol für Massenpanik und Tod geworden ist.

Samstag, 14.30 Uhr. Debora, die in Köln eine Ausbildung zur Erzieherin macht, kommt gemeinsam mit einem Kumpel in Duisburg an. Es ist ihre erste Loveparade, sie ist ein bisschen aufgeregt. Tanzen, Feiern, Spaß haben – das war ihr Plan. „Ich höre normalerweise kein Techno“, sagt sie. Von der Koloniestraße aus ging die 24-Jährige los, marschierte gemeinsam mit Tausenden durch den ersten Tunnel.

Der zweite Tunnel war abgesperrt. „Geradeaus oder rechts in die Schleuse – eine andere Wahl hatten wir nicht“, berichtet sie. Gemeinsam mit ihrem Freund Daniel entschied sie sich für rechts, wie alle. „Plötzlich wurde es immer enger. Ich hörte Schreie. In wenigen Sekunden war es so eng, dass ich dachte, ich werde zerquetscht. Es herrschte Panik. Dann versuchten alle zu der Treppe zu kommen.“

Die Treppe. Debora Schumacher hat sie an diesem Samstag fest im Blick. Sieht, wie sich Menschen in ihrem Alter versuchen hochzuziehen, wie sie schreien, kämpfen, fallen – irgendwo in die panische Menge. Die 24-Jährige bekommt Tritte ab. In den Bauch, an den Hals. Sieht, wie die Menge Menschen über sie hinwegträgt. Sieht, wie Turnschuhe haarscharf an ihrem Kopf vorbei schrammen.

„Ständig hab ich etwas abbekommen“, erzählt sie, „und immer, wenn wieder einer über mich hinweggetragen wurde, dachte ich, ich falle.“ Die Auszubildende ist gerade mal 1,63 Meter groß. „Ich habe immer versucht, eine Hand oben zu halten. Ich dachte, wenn ich falle, dann sieht mich wenigstens jemand dabei.“

Debora Schumacher kippte kurz vor 17 Uhr um, als sich rechts neben ihr plötzlich eine Gasse bildete. „Ich konnte nicht mehr atmen, nicht mehr schreien, gar nichts mehr. Und ich dachte nur noch, dass ich sterben muss.“ Doch sie überlebte.

Ein junger Mann, Debora schätzt ihn auf Mitte 20, zog sie aus der Menge. „Danach habe ich einen Filmriss“, sagt sie und wird immer leiser, „aus eigener Kraft wäre ich da nicht mehr herausgekommen.“ Debora zitterte. Der unbekannte junge Mann gab ihr sein T-Shirt. Gab ihr Wasser. Beruhigte sie. Und dann war er weg. Jetzt will Debora ihm „Danke“ sagen.

Ein einfaches „Danke“. Die 24-Jährige sucht ihn im Internet. Startet Suchanfragen in einem Online-Forum bei StudiVZ. „Wer kennt den Mann, der mir das Leben gerettet hat? Der mir das schwarze T-Shirt mit dem Aufdruck ‚turn me on‘ gegeben hat?“, schreibt sie. Antwort bekam sie bisher noch keine. Eineinhalb Stunden dauerte das Szenario, das Debora nie wieder wird vergessen können.

Quelle: südkurier.de

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 29.07.10 um 09:04 und ist gespeichert unter Nachrichten. Folge den Kommentaren durch das RSS 2.0 Feed.

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