Angeln ist für mich weit mehr als nur ein Hobby – es ist eine Lebensart, die mir schon als Kind die Augen für die Schönheit der Natur geöffnet hat. Meine Eltern, die früher selbst leidenschaftliche Angler waren, nahmen mich schon im ganz frühen Kindesalter immer mit ans Wasser und führten mich so an diese faszinierende Welt heran.
Als Alex und ich uns 1998 kennenlernten, war das Thema sofort fester Bestandteil unseres gemeinsamen Lebens. Aus dem gelegentlichen Begleiten wurde schnell eine geteilte Leidenschaft. Doch der Weg, dieses Hobby später in unserem eigenen Takt und ohne ständige Einschränkungen auszuleben, sollte sich als steinig erweisen.
Der Wendepunkt: Raus aus dem „Forellenpuff“
Irgendwann hatten wir schlichtweg genug vom typischen „Forellenpuff“ – wir wollten die Natur in all ihren Facetten erleben und so richtig unserem Hobby frönen. Doch in Deutschland steht dem Vergnügen die Gesetzgebung im Weg: In den allermeisten Bundesländern, so auch bei uns in Baden-Württemberg, ist der offizielle Angelschein absolute Pflicht.
Aufgrund meines gesundheitlichen Zustands war es für mich jedoch unmöglich, die reguläre Prüfung abzulegen. Für Alex war das Ganze zwar kein Problem – er hat den Schein gemacht, und für ihn war es eine reine Lernsache und eine kleine, belanglose Formsache –, für mich schien die Tür zum Angelsport zunächst fest verschlossen.
Hoffnung durch den Gesetzgeber: Paragraf 31
Auch wenn der Staat in der Gesetzgebung vieles falsch macht, so hat er im Fischereigesetz nach § 31 eine sehr sinnvolle Ausnahmeregelung vorgesehen: Sie ist für Menschen gedacht, die den Sachkundenachweis aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht erbringen können.
Was dann folgte, war schlichtweg rekordverdächtig: Das Regierungspräsidium Freiburg hat hier unglaublich unbürokratisch und ganz anders, als man es sonst von Behörden kennt, geholfen. Nötige Unterlagen eingereicht, und bereits am Folgetag war die Ausnahmegenehmigung erteilt!
Somit darf ich seither – in Alex‘ Beisein, als offiziellem Besitzer eines Fischereischeins – ganz offiziell meinem geliebten Hobby nachgehen.
Seelische Medizin: Mehr als nur ein Zeitvertreib
Für mich ist die Angelei mittlerweile weit mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung – sie ist ein zentraler Teil meines ganz persönlichen Heilungsprozesses.
Nach den schweren Schlägen, die das Leben für mich bereithielt – den Schlaganfällen und der überstandenen Sepsis –, ist die Zeit am Wasser von unschätzbarem Wert. Es geht dabei längst nicht um körperliche Genesung, sondern um pure seelische Natur. Wenn ich am Ufer sitze, den Blick auf das Wasser gerichtet, fällt all der Ballast ab. Die Ruhe, das Rauschen der Natur und die Konzentration auf den Moment geben mir Stück für Stück das zurück, was die Krankheit mir nehmen wollte: Seelenfrieden, innere Kraft und Lebensfreude.
Die Realität am Wasser: Tackle, Bollerwagen und Barrieren
So großartig diese Genehmigung und diese seelische Auszeit auch sind, die Realität am Gewässer fordert vor allem Alex einiges an zusätzlichen Anstrengungen ab. Oft habe ich auf dem Weg zu den Angelplätzen meinen Rollstuhl oder Rollator dabei, gepaart mit – wie es sich für echte Angler gehört – immer viel zu viel Tackle in einem riesigen Bollerwagen.
Zudem muss man ganz klar ansprechen, dass unsere Kommune einen Teufel tut, damit beeinträchtigte Angler ihrem Hobby barrierefrei nachgehen können. Es fehlt gänzlich an entsprechenden Angelplätzen.
Ein fader Beigeschmack bei den Kosten: Auch ich muss einen regulären Erlaubnisschein erwerben und zahle exakt dasselbe wie alle anderen. Im Gegenzug werde ich jedoch ungleich schlechter gestellt, weil die nötige Infrastruktur komplett fehlt.
Ein Ausblick
Trotz aller Hürden, fehlender Barrierefreiheit und bürokratischer Wege: Wir lassen uns die Freude am Wasser nicht nehmen. In diesem Blog möchte ich euch künftig an meinen Erlebnissen, den Herausforderungen und vor allem den wunderschönen Momenten unseres Hobbys teilhaben lassen.
Welche Erfahrungen habt ihr mit barrierefreien Angelplätzen gemacht? Ich freue mich auf euren Austausch!






