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Erster Schlaganfall – Der Tag, an dem mein Körper die Kontrolle verlor

Portrait von Nadine Kempe neben einem sonnigen Weg mit Rollator, Parkbank und feinen medizinischen Nerven- und Herzschlaglinien, die ihren Weg der Genesung nach dem Schlaganfall symbolisieren.

Der 27. Juli 2025 markiert einen tiefen Einschnitt in meinem Leben – den Tag, an dem mein erster Schlaganfall mein bisheriges Dasein schlagartig veränderte und ein langer Leidensweg begann. Es passierte ganz plötzlich: Von einer Sekunde auf die andere fühlte sich meine linke Hand völlig taub an, meine Sprache war plötzlich verwaschen und undeutlich, und mein linkes Bein verweigerte schlagartig den Dienst. Der Schrecken und die Ungewissheit in diesem Moment lassen sich kaum in Worte fassen.

Ich wurde sofort ins Hegau-Bodensee-Klinikum nach Singen auf die Stroke Unit gebracht. Bei der Aufnahme diagnostizierten die Ärzte eine Mundastschwäche links, eine sogenannte Dysarthrie (Sprachstörung) sowie eine deutliche Schwäche und Gefühlsstörung im linken Arm und Bein. Der NIHSS-Wert, der die Schwere der neurologischen Ausfälle misst, lag bei 5 Punkten. Im Computertomografen (CT) zeigte sich zum Glück keine akute Gehirnblutung, woraufhin die Ärzte umgehend eine systemische Lysetherapie mit 48 mg Actilyse einleiteten – eine Infusion, die mögliche Blutgerinnsel im Gehirn auflösen soll.

Glücklicherweise schlug die Behandlung an und die Symptome bildeten sich Schritt für Schritt zurück. Im anschließenden MRT konnte kein dauerhafter Infarkt nachgewiesen werden, weshalb der Vorfall als kryptogene transitorisch-ischämische Attacke (TIA) im rechten Mediastromgebiet – eine ernsthafte Durchblutungsstörung und Warnstufe vor einem großen Schlaganfall – eingestuft wurde.

Die Ursachensuche förderte jedoch weitere medizinische Baustellen zutage: Bei der Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern und der Herz-Echokardiografie (TEE) stellten die Ärzte eine schwere Atheromatose mit ausgeprägten, echoarmen Ablagerungen (Plaques) in der Hauptschlagader (Aorta) sowie Verengungen der Halsschlagader fest. Zudem lagen meine Cholesterinwerte mit einem Cholesterinspiegel von 297 mg/dl und einem LDL-Wert von 220 mg/dl weit über dem Normbereich. Neben der Umstellung auf blutverdünnende Medikamente (Clopidogrel 75 mg) und ein Statin zur Stabilisierung der Gefäßwände musste auch die Behandlung meiner Nebenerkrankungen – wie des insulinpflichtigen Diabetes mellitus Typ II und meines Bluthochdrucks – weiter angepasst werden.

Am 30. Juli 2025 durfte ich das Krankenhaus zwar wieder verlassen, doch der Weg zurück ins Leben war steiniger, als ich ahnte. Trotz unauffälliger Befunde bei der Entlassung blieb die Unsicherheit ein ständiger Begleiter. Das Taubheitsgefühl in der linken Hand und allen voran die hartnäckige Schwäche im linken Bein machten mir im Alltag schwer zu schaffen. Wenn ich ging, hatte ich immer wieder das Gefühl, dass das Bein einfach nachgab und weg sackte.

Doch ich weigerte mich aufzugeben. Ich bin ein Dickkopf und war fest entschlossen, mir Schritt für Schritt meine Selbstständigkeit zurückzukämpfen. Da mein Mann Alex arbeiten musste, wurde mein jüngster Sohn Kevin mein Fels in der Brandung. Jeden Tag ging er geduldig mit mir vor die Tür. Zur eigenen Sicherheit und als Stütze nahm ich den Rollator meines Schwiegervaters mit.

Die Anfänge waren extrem mühsam: Wenn das Bein den Dienst versagte und die Schmerzen zu stark wurden, setzte ich mich auf die Sitzfläche des Rollators. Nach fünf Minuten Durchatmen ging es weiter. Zu Beginn schaffte ich gerade einmal 300 Meter am Tag. Doch mit eisernem Willen und Kevins Unterstützung steigerten wir die Distanz täglich: Erst bis zum Friedhof und wieder zurück – und schließlich kam der Tag, an dem ich eine komplette Runde durch das Dorf bewältigte.

Ich hatte es tatsächlich geschafft. Es war ein unglaubliches Gefühl der Erleichterung und ein großer Etappensieg – auch wenn der Körper noch längst nicht schmerzfrei war und der lange Weg der Heilung gerade erst begonnen hatte.

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